Martin Bredl, Inbound Marketing Experte

Martin Bredl: „2017 wird ein gutes Inbound Marketing Jahr“

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Fast rechtzeitig zum „Ditch New Year’s Resolutions Day“ am 17. Januar habe ich mich mit Martin Bredl über Inbound Marketing im Jahr 2017 unterhalten. Dieser Tag ist übrigens statistisch gesehen der, an dem die meisten Leute ihre Vorsätze für das neue Jahr brechen.

Das Schöne ist aber, dass man sich jederzeit etwas Neues vornehmen kann, z.B. mit Inbound Marketing durchzustarten. Worauf ihr dabei achten solltet und viele tolle Tipps vom Inbound Marketing-Experten gibt’s hier:

Welche Tipps würden Sie einem Unternehmen geben, das im Jahr 2017 mit Inbound Marketing starten will?

Bredl: Inbound Marketing funktioniert nur mit einer guten Strategie und Planung. Obwohl das selbstverständlich klingt, fehlt Strategie und Planung sehr oft. Zur Planung gehört auch, dass ein Unternehmen sehr klare und vor allem messbare Inbound Marketing Ziele definiert. Wir werden die Bekanntheit steigern, ist kein Ziel. Wir werden in 12 Monaten die Visits von derzeit 5.000 auf 10.000 steigern und pro Monat 200 Leads generieren, ist allerdings eine konkret messbare Zielsetzung.

Weiters empfehle ich unbedingt eine Content Redaktion einzurichten. Es scheint am Anfang einfach, jede Woche Blogbeiträge und ein Content-Angebot für Conversions zu produzieren. Über die Monate brauchen Unternehmen dazu aber Ressourcen, die nicht einfach nebenbei zur Verfügung stehen. Unter Umständen kann es ganz gut sein, da mit Freelance-Textern zu arbeiten.

Dann müssen sich Unternehmen, die ernsthaft Inbound Marketing machen wollen für eine Marketing Automation Software entscheiden. Ohne ist es sehr mühsam die Prozesse einzurichten und vor allem die Prozesse am Laufen zu halten. Der Marktführer bei Marketing Automation ist HubSpot. Weitere Anbieter sind Marketo und Pardot.

Ein weiterer Tipp ist die laufende Optimierung. Es braucht Zeit für das Tuning, bis eine Inbound Marketing Maschine auf hohen Touren läuft. Dazu muss an vielen Rädchen gedreht werden. Aber es zahlt sich aus, diese Zeit zu investieren.

Was sind die No-Gos, die Unternehmen vermeiden sollten?

Bredl: Inbound funktioniert garantiert nicht, wenn Inbound nur halb gemacht wird. Ein Blogbeitag im Monat und ein Conversion Angebot pro Jahr sind einfach zu wenig. Wenn dann voll oder gar nicht. Und voll heißt zwei Blogbeiträge pro Woche, voller Einsatz von Social Media, ein kleines Budget für Paid und einige Conversion Angebote sowie der Einsatz einer Marketing Automation Software.

Nützlicher Content entlang der Buyer Journey ist das Erfolgsgeheimnis. Wenn ein Unternehmen Content mit Werbung vertauscht, wird das einfach nicht funktionieren. Halten Sie sich mit Werbung so lange zurück, bis ein Kunde wirklich kaufen will. Und selbst da, versuchen Sie weiter nützlich zu sein.

Verlassen Sie sich nicht auf fremde Plattformen. Nutzen Sie Social Media und Google Anzeigen, aber bauen Sie ein eigenes Publikum auf. Bauen Sie nicht auf „rented ground“. Das Ziel bei Inbound Marketing sollte sein, möglichst viele Fremde auf die eigene Website zu bekommen und auch dort die Conversion-Möglichkeiten zur Lead Generierung anzubieten.

Mittlerweile ist auch klar, dass Inbound Marketing ohne Inbound Sales nicht geht. Integrieren Sie Sales in den Prozess, sonst generieren Sie Leads, die niemals vom Vertrieb abgeschlossen werden.

Welche Trends werden Ihrer Meinung nach 2017 besonders wichtig?

Bredl: Ich denke, dass sich im deutschsprachigem Raum erst einmal die fundamentalen Bausteine von Inbound Marketing etablieren müssen. Das heißt zum Beispiel, dass Unternehmen erst lernen müssen einen Content Prozess zu etablieren und Marketing Automation effizient einzusetzen.

International ist derzeit der heißeste Trend Big Data und Artificial Intelligence. Hier werden wir 2017 die ersten konkreten Anwendungen sehen. Besonders im Bereich von Content Strategie, personalisierten Contents, aber auch in der Produktion von Content durch Maschinen wird sich da einiges tun. Marketing Automation wird immer intelligenter werden und wird uns Marketing Leuten immer mehr Arbeit abnehmen.

Sicher werden wir auch beim Content selbst Änderungen sehen. Zum einen gewinnt Video an Bedeutung, aber auch der neue Algorithmus von Google wird den Content verändern. Google verwendet jetzt auch Artificial Intelligence und das bedeutet, das Content immer mehr die Absicht der Users berücksichtigen muss, um bei Google gut gerankt zu werden.

Wie hat sich das Inbound Marketing Feld in den letzten Jahren verändert?

Bredl: Leider noch nicht so viel, wie wir uns das wünschen würden. Im deutschsprachigem Raum ist Inbound Marketing noch in den Kinderschuhen. Content Marketing, die Zwillingsschwester im Online Marketing hat sich schneller etabliert, gleitet jedoch in eine populistische Schiene ab. Jeder macht heute Content aber ohne Ziel und ohne Conversions.

Dennoch beginnt Inbound Marketing in der DACH-Region Fuß zu fassen. Neue Agenturen entstehen vor allem in Deutschland und wir sind nicht mehr die einzige Inbound Marketing Agentur in Österreich. Das ist auch gut so. Ich denke aber, dass es noch ein bis zwei Jahre dauern wird, bis Inbound Marketing im deutschsprachigem Raum von einem Großteil der Marketing-Verantwortlichen wahrgenommen wird.

Wie bleiben Sie am neuesten Stand?

Bredl: Wir orientieren uns vor allem an den US-amerikanischen Quellen. Persönlich folge ich einer handvoll Podcasts und ca. 20 Blogs bzw. 100 Twitter Accounts auf dem Gebiet von Inbound. Ich lese viele Bücher und ich schreibe laufend Blogbeiträge über Inbound, das hilft mir auf dem Laufenden zu bleiben. Die wichtigste Quelle ist sicher die HubSpot Akademie. Hier gibt es 12 Zertifizierungen zu den wichtigsten Inbound Marketing Themen. Als HubSpot Partner müssen wir bestimmte Zeritfizierungen jedes Jahr neu machen. Das zwingt uns am neuesten Stand zu bleiben.

Was haben Sie bzw. Ihre Agentur sich für 2017 vorgenommen?

Bredl: Wir wollen moderat wachsen und wir wollen weiter unsere Kompetenzen schärfen. 2017 wird sicher ein gutes Inbound Marketing Jahr.

 

Martin Bredl
© Martin Bredl

Über Martin Bredl

Martin Bredl ist Managing Partner der Inbound Agentur Take Off PR. Zuvor war er mehr als 15 Jahre lang Leiter Corporate Communications bei mobilkom austria, Telekom Austria und A1 – Österreichs größtem Telekom-Unternehmen.

4 Jahre lang übernahm er die Rolle des Präsidenten des Public Relations Verbandes Austria und seit Juni 2011 ist er Eigentümer und Geschäftsführer der Inbound Marketing und PR Agentur Take Off PR. Und als ob das noch nicht genug wäre, hält er zusätzlich Vorträge am WIFI Wien und am Joanneum Graz.

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